6. Titanunverträglichkeit: Was Patienten wissen müssen
Im Materialvergleich fällt der Begriff Metallsensitivität immer wieder. Ausführliche Informationen dazu bietet unser Ratgeber zu
Titan-Sicherheit, MRT und Flugreisen
. Doch wie häufig treten Reaktionen auf Titan tatsächlich auf, und wie lässt sich das Risiko einschätzen?
Allergie oder Unverträglichkeit?
Eine klassische Titan-Allergie, also eine Immunreaktion vom Soforttyp (IgE-vermittelt), gilt in der Wissenschaft als nicht anerkannt. Was Patienten erleben, ist in der Regel eine Titanunverträglichkeit: Das angeborene Immunsystem reagiert auf feine Abriebpartikel, die bei der Implantation oder im Laufe der Zeit entstehen können. Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung zeigen eine solche Sensitivität. In den meisten Fällen verläuft sie mild und führt nicht zum Verlust des Implantats.
Was das Risiko beeinflusst
Verschiedene Faktoren können das Risiko einer Unverträglichkeit erhöhen oder senken:
- Risiko erhöhend: Titan-Legierungen mit Beimischungen wie Nickel, Chrom oder Cobalt können stärkere Immunreaktionen auslösen als Reintitan.
- Risiko senkend: Reintitan Grade IV enthält keine allergieauslösenden Legierungsbestandteile. Alternativ kommt Zirkonoxid als metallfreie Option infrage.
Für Patienten, die sich unsicher sind, gibt es einen konkreten diagnostischen Weg.
Diagnostik vor der Implantation
Wer den Verdacht auf eine Titanunverträglichkeit hat, kann vor der Implantation einen Lymphozytentransformationstest (LTT) durchführen lassen. Dieser Bluttest misst, ob die Immunzellen auf Titanpartikel reagieren. Die Kosten für den LTT übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel nicht, sie liegen bei etwa 100 bis 200 Euro.
Bei positivem Befund gibt es zwei Möglichkeiten: den Einsatz von hochreinem Titan (Grade IV) oder den Wechsel auf ein Keramikimplantat aus Zirkonoxid. Besprechen Sie das Ergebnis mit Ihrem Implantologen, damit Sie gemeinsam die passende Materialwahl treffen können.
Quellen:
AWMF S3-Leitlinie 083-041 (Materialunverträglichkeiten)